Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne und „KW – Hommage a Klaus Werner“ in der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig

Mark Rothko, Jackson Pollock, Willem de Kooning und Yves Klein, Dubuffet, Barnett Newman, Twombly, Francis Bacon, Fetting, Emil Schumacher und Max Bill – eine spontane und unaufgeregte Aufzählung von Künstlern, die ihre wuchtigen Spuren während der 2.Hälfte des vergangenen Jahrhunderts westlich des großen Grenzwalls in die Kunstgeschichte eingestemmt haben. Das Angebot von Werken dieser Giganten in ostdeutschen Museen und Galerien nervt durch eine beleidigende Tendenz gegen Null.

Diesen jämmerlichen Zustand würde man im  Stadium fortgeschrittener Trunkenheit noch akzeptieren und den vierzigjährigen kulturpolitischen Zwistigkeiten zwischen den Legionen dieseits und jenseits des großen Grenzwalls in die Schuhe schieben.

Doch das  infantile Kunstrichter der verblichenen DDR, welche das Leipziger Völkerschlachtdenkmal nicht von einer gotischen Kathedrale unterscheiden konnten und Dürer mit Disney verwechselten, auch die Künstler des eigenen Landes  über die Grenzen oder an den existentiellen Rand trieben, die den geforderten Normenkatalog nicht nachhechelten, ist eine Schandtat, die noch Generationen bewältigen müssen.

Das zehjährige Jubiläum der Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig wird mit der Würdigung Klaus Werners verbunden, eines Kunstwissenschaftlers, der immer, im Rahmen der Möglichkeiten,diesen kulturpolitischen Malträtierungen entgegentrat, Ignoranz und einen diktatorisch herbeigeknüppelten Realismus sozialistischer Prägung als einzig edel -humanistische Kunst verwarf und der versuchte, die Kunst der DDR in europäische Zusammenhänge einzubinden.

Mai 1996 eröffnete er in der umgebauten Gründerzeitvilla in der Karl-Taucnitz-Straße die Galerie für zeitgenössische Kunst, der er bis Ende 2000 vorstand. Danach übernahm Werner das Amt des Rektors an der Leipziger Grafikhochschule.

Die Übersicht bietet Ausschnitte von Ausstellungen, die Klaus Werner kuratierte, ohne eine kongruente Übernahme des Originals anzustreben (u.a. im Untergundmessehaus, im Goethe House New York)

Der expressive Pinselterror des Leipzigers Hartwig Ebersbach, ein Bild aus besseren Tagen, hängt neben einer Arbeit Gerhard Hoehmes, in Dessau geboren, dann Ortswechsel nach Nordrhein-Westfalen, ein Bild aus grandiosen Tagen(„Delphi“). Die massive Flächenfüllung im Holzschnitt  HAP Grieshabers reibt sich mit der eher offenen Abstraktion im Bild Hermann Glöckners und der Konkreten Kunst von Horst Bartnik. Feinsinnige Papierfaltungen Frank Maibiers, seine ironische „Mutlanze“ und die wundervolle Kalligraphie von Carlfriedrich Claus füllen einen Raum, der das Bedürfnis Klaus Werners feiert, stilistische und territoriale, politische und generationsbedingte Einschränkungen zu beseitigen.

Mit dem Russen Ilja Kabakov, seit 1988 in New York und Documenta-Teilnehmer, hat sich ein Kämpfer der ersten Elite zeitgenössischer Kunst in die Ausstellung eingeordnet. Er stellt  eine Sitzecke von grauenvollen Design zusammen, akustisch umnebelt mit einem Hörspiel, welches die Ödnis und den beängstigend banalen Alltag vergangener Zeiten dokumentiert. Neo Rauch, gleichfalls mit einem Bild aus besseren Tagen(„Die Störung“), Maren Roloffs irritierende Wanddekorationen, Arbeiten von Penck,  Florschuetz, der Brüder Nicolai und ein gestresster Scherzstuhl von Timm Ullrichs können glaubhaft Klaus Werners Ambitionen vermitteln. Ein Bild  Emil Schumachers muss sich für museumsphilosohische Grundsatzdebatten opfern, für Fragen der Bewahrung, Restauration und Konservierung. Eine weise Entscheidung.

Eine gelungene und facettenreiche Zusammenstellung, die sich nach einer Reihe von Übersichten mit theoretisch überheizten und banal-soziologisch abgefüllten Überflüssig-u.Oberflächlichkeiten wieder auf die Kunst besinnt.

Klaus Werner hätte die Räume sicher im Wohlgefühl, mit Elan und einigen Bonmots durchschritten. Doch wird ihm diese Freude durch seine Krankheit verwehrt bleiben.

juergen-henne-leipzig@web.de

Februar 16, 2008 - Posted by | Kunst, Leipzig

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