Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne und das Museum Gunzenhauser in Chemnitz

In Anbetracht der verlässlich hochwertigen Werbemanöver Ingrid Mössingers für Ihre Chemnitzer Kunstsammlungen ist das Museum Gunzenhauser bemerkenswert dürftig ausgeschildert. Von den Parkplätzen rund um den Theaterplatz (Kunstsammlungen, Oper) kann man aber, auch ohne Cierpinski-Motorik, in wenigen Minuten dieses Museum erlaufen (Falkeplatz). Als kleines Vorspiel wäre unterwegs noch ein angeekelter Blick auf diesen Karl-Marx-Klumpen möglich.

Die Sachlichkeit der Fassade des ehemalige Chemnitzer Sparkassengebäudes wurde bei der innenarchitektonischen Bearbeitung des Hauses zu einer musealen Anlage angemessen weitergeführt. Durch  klare Raumstrukturen, eindeutig vorgezeichnete Wege, dezente Farbigkeit und einer optimalen Nutzung der Wandflächen wird dem Museumsbesucher ein angenehm schnörkelloser Ausstellungsrahmen angeboten.

Der Sammlung selbst muss eine durchwachsene Qualität bescheinigt werden. Neben Arbeiten von außerordentlicher Güte verblassen Bilder der gleichen Künstler, unmittelbar daneben aufgereiht, in bestenfalls solider Mittelmäßigkeit.

Mit herausragenden Bildnissen von höchster malerischer Eleganz funkelt sich Corinth über die Wände. Ähnlichen Glanz dünsten Porträts von Jawlensky und Stillleben Gabriele Münters aus, von denen aber auch drittklassige Kunst gezeigt wird. Einzelne Werke  Kirchners und Felixmüllers und dessen aufrichtige Hingabe zu gemalten Alltagsposen aus dem proletarischen Milieu,  Beckmanns“Traum  des Bildhauers“, zahlreiche Arbeiten von Otto Dix zwischen Expressionismus und ätzendem Realismus  und die  überraschend hochwertige Kunst des weitgehend unbekannten Helmut Kolle lassen schon eine Aura Weltkunst durch die Räume schweben (auffällig Kolles fast ätherisches Selbstpoträt). 

Auch Willi Baumeisters Kompositionen mit kompakt gefahrvollem Zentrum und sensiblen Nebengleisen, Andy Warhols Lenin-Euphorie, Rolf Cavaels „in geschlossener Bewegung“ und die neu-sachlichen Kinderarrangements von Georg Schrimpf sollten dankbar zur Kenntnis genommen werden. Überraschend unergiebig stellt sich die Elite der informellen Malerei Deutschlands vor. Bernard Schultze, Emil Schumacher, Dahmen und Thieler haben unvergleichlich spannendere Arbeiten aus ihren Ateliers getragen.

Alfred Gunzenhauser fand gottlob ein derartiges Gefallen an der Kunst des 20.Jahrhunderts, dass nur ein Teil seiner Sammlung ausgestellt werden kann, die andere Portion im Magazin auf ihre Verteilung wartet und hoffentlich mit zuverlässiger Kontinuität an den Wänden platziert wird. Darunter Arbeiten von Fetting, Bellmer, Feininger, Horst Janssen und Emil Nolde. Ein ausreichender Grund, die Jahreskarte für Chemnitz zu buchen.

Der Katalog mit vorzüglichen Bildern und einem überschaubaren Text ist gewichtsmäßig zu bewältigen und kann ohne den Einsatz eines Krans, gegen den aktuell gebräuchlichen Trend von Zentnerware ohne inhaltliche Notwendigkeit, in das heimische Bücherregal gestapelt werden.

juergen-henne-leipzig@web.de

Dezember 19, 2007 - Posted by | Kunst, Neben Leipzig

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