Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne und Hans Hartung

Hans Hartung als Künstler und Jürgen Henne als Besucher im Leipziger Bildermuseum

Es gibt in der Kunstgeschichte nur wenige Akteure, die sich ohne qualitative Einbrüche mit einem blütenweißen und makellosem Maximalergebnis in den Künstlerhimmel verabschiedet haben. Einzelne Werkgruppen von Edward Munch bieten z.B. ein tiefes Dunkelschwarz. Dali und andere Giganten des Unterbewusstseins wie Magritte, Tanguy, Delvaux und auch Max Ernst bewegten sich phasenweise auf qualitativ unterirdischen Bahnen, Max Klingers Malerei und Bildhauerei sind unerträglich und in Venedig habe ich vor wenigen Wochen einige Bilder des von mir sehr geschätzten Morandi gesehen und schwankte kreischend aus dem Saal. Auch aus Picassos künstlerischer Lebenslinie stülpen sich ziemlich läppische Arbeiten und die Ausstellung mit Bildern der „Brücke“-Künstler vor einigen Jahren im Dresdner Schloss erlebte ich als optische Schikane. Das ist normal und sollte Gesamtbeurteilungen nur wenig beeinflussen. Vielleicht hat sich Dürer dieser Vollendung genähert, oder van Gogh, oder August Macke. Vielleicht auch Soutine und Rouault (zumindest bei der Malerei), doch die kennt ohnehin niemand.

Von Rouault hängen seit einigen Tagen graphische Blätter im Leipziger Bildermuseum, welche allerdings auch nicht überragend sind, womit mir aber gewohnt souverän der Bogen zu Hans Hartung gelungen ist.

Denn Hans Hartung, in meinem Kunstverständnis eine Ikone des 20.Jahrhunderts, in Leipzig vor 103 Jahren geboren, seit 1946 französischer Staatsbürger und Superheld der informellen Kunst wird gleichfalls im Bildermuseum durch eine Ausstellung gewürdigt. Sie wäre geeignet, die Besucher mit einem visuellen Dauerlabsal zu beschenken. Doch verweigert sie sich dieser Möglichkeit ziemlich erbarmungslos.

Wie Soulages  Wols und Fautrier hat sich auch Hartung weitgehend von festen Regeln der Komposition gelöst. Anders als die geometrischen Abstraktionen eines Bill, Albers oder Nicholson, die mit emotionaler Askese  berechenbare Beziehungen zwischen Flächen, Linien und Farben anstrebten, sich festgezurrten Abhängigkeiten und Gesetzen unterwarfen und in deren Kunst sich ohne Realitätsbezug eine Vergeistigung in geometrischen und mathematischen  Zusammenhängen offenbarte, zelebrierte Hartung die emotionale Wucht des Malvorganges.

Die Übersicht beginnt mit Arbeiten vom Beginn der 20er Jahre, sicherlich keine Edelkracher, doch zeigen sie Hartungs Gespür für die gestisch-expressive Flächenfüllung mit erhöhtem Lautpegel(z.B. „Der Zuhälter“) Doch kurze Zeit darauf wird es dann richtig unergiebig. Hartung probt die Ungegenständlichkeit, reduziert radikal und bietet doch nur Linienspielchen mit einem auffällig ausgemergelten Spannungsbogen. Linien und Fläche scheinen sich aus dem Weg gehen zu wollen.

Bis zu den 50er Jahren hangelt sich Hartung an einem ziemlich schlaff gespannten Seil durch seine eigenen Ansprüche, er schlurfte sozusagen durch die Kunstgeschichte. Die wenigen Bilder von erhöhter Ansehnlichkeit können sich noch nicht als Overtüre für sein späteres Hauptwerk und seinen Auftritt von globaler Bedeutung zusammenfügen.

Dieser Auftritt erfolgte dann nach der Jahrhundertmitte, es wurde das Jahrzehnt des Hans Hartung.

Jetzt reiben sich die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Striche, brennen sich in die Fläche oder enden in einer weichen Rundung. Dunkle Balken werden von fasrigen Auflösungen eskortiert, stabile Formationen beginnen sich zu spalten. Lyrischer Feinsinn und potentielle Agressivität verdichten sich zu wundervollen Disharmonien. Die Subtilität östlicher Tuschzeichnungen, die Balance kalligrafischer Muster und Hans Hartungs Neigung zur gedrosselten Panik fügen sich zu Ergebnissen von auffälliger Originalität. Leider verkümmern die lächerlich wenigen Arbeiten, welche aus dieser wichtigsten Phase ausgestellt sind, an einer Nebenwand vor sich hin.

Das war es dann schon, denn die Bilder der folgenden langen zwanzig Jahre sind nur schwer zu ertragen, doch füllen sie die Museumswände bis zur optischen Schmerzgrenze. Es ist verständlich, dass die großen Sammlungen ihre Edelsteine nicht gerade nach Leipzig rollen lassen, in ein Museum, dessen Baugeschichte bis heute zu einer Provinzposse degradiert wird. Doch wenn Hans-Werner Schmidt von einem grandiosen Spätwerk dröhnt, driften die Qualitätsmaßstäbe in eine absurde Schieflage und der Besucher wird verspottet.

Denn die Bilder des Spätwerks triefen vor mystischem Kram, vor kosmischen Verrenkungen, pendeln zwischen apokalyptischem Wetterleuchten und angestrahlter Halloween-Maske. Folkloristisch-„dekorative“ Silberfäden weben sich über die Fläche. Der Scharfsinn früherer Arbeiten wird durch pathetisches Geplänkel mit universellem Anspruch ersetzt. Und die Katalogtexter sind doch tatsächlich so vermessen, Vergleiche mit den grandiosen Bildern Mark Rothkos zu wagen. Talentlose Kritiker würden wieder lamentieren, dass alles eine Frage des Geschmacks sei. Das ist mitnichten eine Geschmacksfrage, diese späten Bilder repräsentieren einfach nur dürftige Kunst. So einfach kann Kunstkritik sein. 

Es gibt, wie oben geschrieben, nur wenige Künstler ohne qualitative Einbrüche und Hartungs Einbrüche sind ziemlich ergiebig und natürlich kann ein Museumsdirektor öffentlich nicht das Niveau der eigenen Ausstellung zertrümmern. Doch würde vielleicht der Hinweis genügen, dass die Übersicht einen Einblick in das Gesamtwerk von Hans Hartung anbietet(was sehr schön ist), eben mit Höhen und Tiefen und das seine besten Bilder zum Weltkulturerbe gehören…… und so weiter und so anständig. Für eine kultivierte Kommunikation wäre diese Diffenzierung ein fein gewählter Auftakt.

juergen-henne-leipzig@web.de

Dezember 7, 2007 - Posted by | Kunst, Leipzig

2 Kommentare »

  1. lieber herr henne,
    was wollen sie überhaupt? sie erscheinen mir wie ein mensch, der sein leben langweilig findet, sich darüber ärgert und glaubt mit unoriginellen, bisweilen regelrecht dümmlichen texten (auch stilistisch schwach), seinen neid auf das leben anderer herausschreien zu müssen. ich finde das erbärmlich. kein wunder, dass die zeitungen ihre schriften nicht mehr drucken wollen. sie sind eine arme wurst.
    hh

    Kommentar von dr. hartmuth hirsch | Dezember 12, 2007 | Antworten

  2. Hallo, Herr Dr.Hartmuth Hirsch,
    ein Kommentar verlottert doch eher in kargen Ansprüchen , wenn er Kritiken, berechtigt oder unberechtigt, als Auswürfe von Neid anprangert, als Reaktionen von Lebenslangeweile, die sich scheinbar unoriginell, dümmlich, stilistisch schwach und erbärmlich über den Bildschirm öden (Gestatten Sie mir aber dennoch das Wagnis, Ihren Stil nicht nachzueifern).

    Ich hatte gehofft, sehr geehrter Herr Dr.Hirsch, dass Sie mit einer fachlich und sprachlich noblen Gegendarstellung zu meinem Text eine Souveränität anbieten, welche diesen Blog mit zwingenden Gedankenketten bereichert. Doch glauben Sie mir, auch für Ihre intellektuelle Grundausstattung, für Ihr Verständnis von kultivierter Kommunikation werden Blogs eingerichtet. Dort schreiben dann nicht nur leblose und arme Würstchen meines Formates, sondern richtig prall-saftige Rindviecher. Und glauben Sie mir nochmals, sie werden sich wohlfühlen. Sie müssen sich bei der Suche einfach nur heftig bemühen. Sie müssen tapfer sein und nicht verzagen.

    Ich werde Sie nicht als „arme Wurst“ bezeichnen oder in die Kategorien „getroffene Hunde bellen“ und „Höhepunkte infantiler Meinungsäußerungen“ einordnen. Ich möchte Sie und Ihre Freunde zu einem gemeinsamen Besuch der Ausstellung Hartungs einladen, mit Gesprächen vor den Bildern, verfeinert durch einen Abstecher zu der Kunst Ruckhäberles.
    Als ständiger Besucher meines Blogs(wie andere auch) könnten Sie mir geschwind Ihre erfreute Zustimmung in dieser bewährten Form übermitteln.

    Ich freue mich auf unsere Bekanntschaft

    Da Sie, sehr geehrter Herr Dr.Hartmuth Hirsch, unter Ernst Erpel auch den Kommentar zu meinem Text über die Leipziger Schule und über die Leipziger Kunstkritik vom Oktober geschrieben haben, bitte ich Sie, den Reichtum ihrer sprachlichen und inhaltlichen Varianten zu überprüfen. Und unterzeichnen Sie Ihren nächsten Kommentar bitte nicht mit Immo Iltis oder Frieder Frettchen, vielleicht nehmen Sie einfach Ihren richtigen Namen. Ich heiße übrigens tatsächlich Jürgen Henne.

    Beste Grüße von Jürgen Henne

    Kommentar von juergenhennekunstkritik | Dezember 12, 2007 | Antworten


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