Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne gestern in Hellerau und Anne Teresa de Keersmaeker, Rosas, Webern, das Völkerschlachtdenkmal, Chiharu Shiota und mein eher schlichtes Verhältnis zum Ballett

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Festspielhaus Hellerau, gestern, um 20 Uhr.

Als überwältigend herzliche Einladungsbeleuchtung empfinde ich die Bestrahlung eigentlich nicht. Denn ich ängstige mich nicht unwesentlich vor derartigen Inszenierungen. Ähnliche Abläufe an diesem entsetzlichen Leipziger Völkerschlachtdenkmal hatten zu DDR-Zeiten eine regelrechte Phobie bei mir angeregt.
Widerwärtige Dogmenreden, der pathetisch angeleuchtete Ewigkeitsfelsen, tausende Menschen mit heldenhaft blauen FDJ-Fetzen an den Leibern und Fackeln in den erhobenen Händen, die heldenhafte Lieder gröhlten, trieben mir eine ganze Meute Albs über den Rücken.

Das eher sanfte Licht in Hellerau ist damit natürlich nicht zu vergleichen. Ein kleiner Rest weitläufig verteilter Gänsehauthügelchen bleibt aber dennoch.

Heinrich Tessenow erbaute 1910 des Festspielhaus, zunächst für eine „Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus“. Ab 1939 Polizeischule, nach dem 2.Weltkrieg russisches Lazarett und Kaserne, auch Sporthalle. Seit 1994 Instandsetzung. Neueröffnung im September 2006.
Über stadtarchitektonische, kunsthistorische, kulturelle und politische Bedeutsamkeiten des Dresdner Stadtteils Hellerau und dessen Festpielhaus wurde üppig geschrieben und Wikipedia bietet einen ordentlichen Einstieg.

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Wandbild im Treppenhaus des Festpielhauses aus Zeiten, in denen die Russen hier sicherlich mietfrei vor sich hin wüteten und ihre großen Kultur-Traditionen missachteten und erniedrigten. Denn nur wenige Jahrzehnte zuvor bestimmten z.B.suprematistische und konstruktivistische Wunderkinder wie Malewitsch, El Lissitzky, Rodtschenko, Tatlin u.a. in hohem Maß die europäische Kunst. Von den Titanen der Musik dieser Zeit ganz zu schweigen,

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Festspielsaal vor dem Tanz, ohne Tänzer

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Festspielsaal nach dem Tanz, mit Tänzern

Den Festspielsaal mit tanzenden Tänzern habe ich nicht fotografiert. Ich wollte Publikum und Tänzer nicht mit meinem dilettantischen Knipsereien behelligen.
Dekor und Innenarchitektur veränderten sich ohnehin nur wenig. Die Abbildungen zeigen die dominierende Ansicht des betanzten Raumes. Nur dezente Lichtveränderungen unterstützten die Dominanz des Körpers.

Denn die Choreografin Anne Teresa de Keersmaeker vermied radikal überflüssigen Klamauk auf optischen und akustischen Ebenen. Und die acht Tänzer der Truppe „Rosas“ dankten es ihr mit einer fast schmerzhaften Präsenz ihrer Körper. Zahlreiche Solo-Parts, scheinbar ungeordnete Kollektiv-Aktionen, die sich bald zu geometrischen Ordnungen formten und Duette mit getanzter Fleischlichkeit von Transpiration anregender Erotik verbanden sich zu einer ästhetisch hochwertigen Diskrepanz zwischen Ebenmaß und Konflikt, Ideal und dessen Desillusionierung, Optimismus und Resignation.

Die Musik vom Band und z.T. mit Alain Franco am Klavier pegelte zwischen Bach und Webern. Außerdem glaubte ich, auch Klangstrukturen von Richard Strauss zu vernehmen. Einigermaßen kenntnissicher bei dessen Musik konnte ich diese Stücke nicht einordnen, was mich etwas irritierte. Das papierne Programm geht auf das Musikangebot nicht ein. Ich werde mit Hellerau telefonieren.

Ich bin sicherlich kein Ballett-Fanatiker und zu erstklassigen Interpretationen nicht fähig. Ist mir allerdings auch ziemlich gleichgültig. Das Stück heißt „Zeitung“ , keine Ahnung, weshalb. Aber es war ein großartiger Abend. Und die Frage: „Was will der Künstler uns damit sagen“, ist mir ohnehin zuwider.

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Eine Stunde vor „Zeitung“ wurde die Ausstellung „Trauma/Alltag“ eröffnet. Mit Arbeiten von Chiharu Shiota aus Osaka, die in Japan, Australien und Deutschland studierte.

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Installationen mit schwarzen Fäden, deren handwerkliche Bewältigung mir unklar ist. Eine massive Vermittlung von Uneindeutigkeiten und Furcht bringen diese Kunst in Dimensionen fiebriger Träume, in Kokons versponnen.

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Natürlich frage ich mich, wo sich der ehemalige Benutzer dieses Stuhls befindet.

Chiharu Shiota hat sich mit dem Raumkozept, dem Bühnenbild an der Hellerauer Aufführung von Strawinskys „Oedipus Rex“ mit der Dresdner Philharmonie beteiligt.
18.11. – 21.11., 20 Uhr

Ich denke, mein nächster Besuch in Hellerau ist geregelt, nicht nur wegen Chiharu Shiota, denn man sollte mindestens 1+ täglich Strawinsky hören.

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November 7, 2009 Verfasst von juergenhennekunstkritik | Kunst, Leipzig, Musik, Neben Leipzig, Verstreutes | | Noch keine Kommentare

Jürgen Henne und Francis Bacon, Leipziger Volkszeitung und Francis Bacon und mein Wunsch nach geografischen Veränderungen, dazu Frank Schöbel, Ute Freudenberg, Hauff/Henkler und Norbert Wehrstedt- ein Nachklang zu meinem vergangenen Mitternachtstext. // Gleichzeitig Jürgen Henne in Vietnam und Kambodscha…, Teil 3

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…..da schwimme ich doch lieber mit einem Drachenboot auf dem Parfümfluss, Hue, Vietnam, Oktober 2009.

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…..oder huldige Konfuzius, Literaturtempel, Hanoi, Oktober 2009

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……oder besuche den Garten des ethnographischen Museums in Hanoi, Oktober 2009

……alles ist ertragreicher als am Morgen die Kulturseite der Leipziger Volkszeitung zu lesen. Francis Bacon wurde heute vor 100 Jahren geboren. Nicht der minimalste Nachrichten-Hauch in dieser Postille, nicht der schüchternste Halbsatz.

Bei Frank Schöbels 97.Geburtstag, bei Hauff/Henkler, dem Gesangsduett des Schreckens aus grauenvollen DDR-Zeiten oder zur Würdigung Ute Freudenbergs mit ihrem Ekelsong „Jugendliebe“ würde man Sondernummern drucken. Aber nicht das kleinste, verrutschte Semikolon für Francis Bacon, für einen der wesentlichsten Maler des vergangenen Jahrhunderts.

Im optischen Blickfeld langweilt ein Bild des MDR-Fernsehballetts….gähn, sicherlich eine nostalgisch-populistische Reminiszenz an die gehüpfte Kasperei des ehemaligen DDR-Fernseh-Balletts, für Edelspießer und Dauer-Onanisten.
Darunter ein Beitrag über oder mit Michael Jackson……schnarch, gefolgt von einer Würdigung Heinz Czechowskis, das ist angemessen.

Die zweite Seite wird dominiert von Norbert Wehrstedts Filmbeiträgen, an dessen Dilettantismus sich das anspruchsvolle Auge nur freudlos und betrübt vorbeischleichen kann.

Und Francis Bacon……. Selbst wenn man in dieser Zeitung Kartoffeln einpackte, würde sich das Erdgemüse angeödet auf die Größe von Stachelbeeren zusammenziehen.

Über den Dokumentarfilm „Cooking History“, gestern gesehen, den Wehrstedt so ungebührlich preist, werde ich in Bälde einige Sätze schreiben.

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Oktober 28, 2009 Verfasst von juergenhennekunstkritik | Film, Kunst, Leipzig, Neben Leipzig, Presse, Verstreutes | | Noch keine Kommentare

Jürgen Henne, Else Buschheuer, Dirk Thärichen, Udo Reiter und ein glücklicher Moschusbock

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Leipzig/Gohlis, Balkon, Sommer 2009

Manchmal will man tatsächlich nur ein Moschusbock sein, nicht hören, nicht sehen, einfach nur einfältig auf irgendwelchem Grünkraut sitzen und vor sich hin riechen.
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Doch ich muss den 40. Geburtstag von Dirk Thärichen zur Kenntnis nehmen, sicherlich einer der unappetitlichsten Zeitgenossen in Leipzigs jüngster Vergangenheit, der sich noch im Herbst 1989 gierig in das Edelregiment Feliks Dzierzynski einordnete, eine Truppe mit der Schleimspur für markige Partei-u.Stasikarrieren.

Mir ist es im Grunde leid, diese alten Gurken wieder aufzubrühen. Doch Thärichen agiert inzwischen als Sprecher des MDR und da muss ich speien.

Als Geburtstagsgäste rollte MDR-Chef Udo Reiter auf die Tribüne und dahinter in geduckter Grundhaltung natürlich Else Buschheuer, wie immer. Else Buschheuer, die täglich darum kämpft, als ausgeflippte Aussteigerin am Rande der Gesellschaft zu gelten.
Else Buschheuer, die ihr „Bohemien“-Dasein zelebriert und bösartig reagiert, wenn man Zweifel an dieser Inszenierung vorträgt.
Else Buschheuer, die darum kämpft, als Außenseiterin ohne Verständnis für profane Abläufe und gesellschaftliche Normen gefeiert zu werden.

Und Else Buschheuer als Rollstuhl-Pilotin für Regional-Prominenz und als Vorkoster für Tscheka-Fanatiker.

Und Guido Schäfer von der LVZ mit seinem unerreicht-einfältigen Pubertäts-Geröhre ficht das natürlich nicht an

Reicht mir schnell den Übelkübel,
sonst wird mir ohne Kübel übel.

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Oktober 25, 2009 Verfasst von juergenhennekunstkritik | Leipzig, Verstreutes | | Noch keine Kommentare

Jürgen Henne, Neuseeland, Neil Diamond und die tägliche Mühsal mit der deutschen Sprache

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Konsum in Leipzig/Gohlis

Nationalhymne von Neusseland: Neil Diamonds „Beautiful Noice“, herausragend interpretiert vom Chor der Konsumgenossenschaft Neuss/NRW.

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Oktober 20, 2009 Verfasst von juergenhennekunstkritik | Leipzig, Verstreutes | | Noch keine Kommentare

Jürgen Henne in Vietnam und Kambodscha, zwischen Saigon, Hue und Hanoi, zwischen Vin Ha Long, Da Nang, Hoi An und Angkor, Oktober 2009, Teil II

Zwischenberichte über die Holz-Stein-Gefechte in der Tempelanlage Ta Prohm, Angkor, Kambodscha (auch T.I)

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Die Attacke organischen Lebens hat den Stein noch nicht auseinandergetrieben. Ordentlich erhaltene Reliefs dekorativen Charakters in Ta Prohm.

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Wichtige Interims-Philosophen würden bei den folgenden Bildern vielleicht wichtige Grundsatzreferate anbieten. Über das Verhältnis Mensch und Natur, über die Zerstörung der Natur durch den Menschen, im vorliegendem Fall dominiert allerdings die entgegengesetzte Variante, die Zerklüftung menschlicher Genialität durch Simpel-Bäume.

Fragen verschiedener Abhängigkeiten und Dominanzen zwischen Flora, Fauna und Homo Sapiens, die mögliche Überflüssigkeit der menschlichen Existenz auf dieser Erde und ähnliche Banal-Sülze könnten angeschnitten und bis zur ökologischen Aktualität vorangetrieben werden.

Ich werde mich tunlichst hüten, diesen oft lärmend-einfältigen Selbstdarstellungen mit erbrochenem Humanitäts-Weihrauch zu folgen und habe mich einfach nur von dieser mystisch-bizarren Stimmung faszinieren lassen. Natürlich ist das Bild wie immer nur ein karger Ersatz.

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Die Wurzel hat das Tor zerstört und gräbt sich ihren Kanal

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Baumwurzel, mittig

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Ta Prohm mit Mönchen

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Oktober 19, 2009 Verfasst von juergenhennekunstkritik | Kunst, Leipzig, Neben Leipzig, Verstreutes | | Noch keine Kommentare