Jürgen Henne, Niki de Saint-Phalle, Else Buschheuers verschlossene Türen, Menhire im Regen, Koma an der Newa und ein Leben ohne Twitter

Jürgen Henne, gewichtigen Schrittes und mit bedeutender Mimik, grübelt über sein künftiges Verhältnis zu Twitter
Dalyan,Türkei
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Jürgen Henne im weißnächtlichen Koma nach der ersten Berührung mit Twitterbeiträgen und nach der Tilgung verschiedener Büchsen- u. Flascheninhalte (s. Müllkübel daneben).
St.Petersburg, Russland
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Jürgen Henne sucht ungetwitterte Dialoge mit den panischen Glitzer-Korpulenzen von Niki de Saint-Phalle…
Südliche Toskana, Italien
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…und in der Einsamkeit korsischer Menhire
Filitosa, Korsika————————————————————-
Als ich die frohe Kunde von Vorboten zur Kenntnis nahm, aus der man schließen könnte, dass sich auf der kommunikativen Ebene der twitternden Edelschreiber eine funkelnde Elite etabliert*, war mein Begehren eindeutig markiert.(*gelesen im Spiegel, in der Süddeutschen…?)
Ich wollte meinen Blog, diese Lächerlichkeit, schließen und um den Einlass in dieses Wunder-Reich kämpfen.
Angstvoll begann ich twittrige Texte zu lesen, getrieben von der Vorstellung, diesen Ansprüchen nicht genügen zu können.
Und ich las:
– „zum Beispiel Schnaps und Zigaretten, sind das Lebensmittel oder Todesmittel?#schmaler Grat“
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Na, gut, Grass hat auch viel Müll geschrieben
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Und ich las:
– „hab der rewe-Kassiererin
zugezwinkert und gleich 5 treuepunkte
gekriegt. die Menschen hungern nach Zuwendung“
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Okay, Handke schreibt auch nicht fugenlos erstklassig.
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Und ich las:
– „habe Kräuterquark mit dem Messer
gegessen und mir die Lippe
zerschnitten#feinmotorik“
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Auch Schiller nervt hin und wieder.
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Und ich las:
– „es ist eine höllische Sache mit
dem Selbstbewusstsein, manche
haben zu wenig, manche zu viel davon“
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Spätestens jetzt verformte sich wegen Unterforderung mein Gehirn zu einem Schaschlick, lechzten meine Augen nach geschlossenen Lidern und ich erkannte schlagartig, dass die Verfasserin dieser Nullsätze von der eigenen Überzeugung gepeinigt wird, umfassende, komplexe Texte mit komplexen Inhalten sprachlich und intellektuell nicht bewältigen zu können.
Es wird dann mit Begründungen wie Zeitökonomie, mit notwendiger Straffung der Gedanken, mit Zeitgeist hantiert. Dabei rumpelt sich nur der traditionelle Not-zur-Tugend-Komplex durch diese Begründungen. Die Twitterbolde müssen diesen Rückzug wählen, weil sie immerhin noch die Einsicht verarbeiten können, dass genau diese Ebene ihr Terrain ist, auf der, inmitten von Informationspanik, von Rudimenten und Piktogrammen die Hoffnung besteht, dass die eigenen Unfähigkeiten übersehen werden.
Diese getwittrigten Untaten (oben), diese Sprachsülze laberte Else Buschheuer ab und sie sind keine besonderen Ärgernisse sondern der Durchschnitts-Sound…und nicht nur bei Else Buschheuer, die allerdings schon in Ihrem Internet-Tagebuch als Bannerträgerin der literarischen Dürftigkeit fungierte und mit erbärmlichen Klischees, nässenden Imitationen und aggressiv-lächerlichen Verschleierungsriten ihrer biederen Normalität und Anpassungshysterie den Leser behelligte. Doch sollte sie auf twittelnden Übermittlungsformen beharren. Und vielleicht die Maximallänge noch etwas reduzieren, dann als wittern oder ittern oder ttern…..
Es gibt wundervolle Aphorismen und Bonmots, also keine Polemik gegen reduzierte Sprache und bei notwendigen Blitzinformationen z. B. bei Politik und Sport ist Twitter eine angemessene Lösung. Doch an diese Zelebrierung der Alltagsbanalität ohne literarischen Wert, mit geistigen Kübelresten und dem Anspruch einer elitären Sonderstellung muss man sich erst gewöhnen. Denn Else Buschheuer twitttellst selbsbewusst:
„heute rüttelt meine Sprachgewalt an verschlossenen Türen“
Die verschlossenen Türen sind eine zwingende Notwendigkeit, die Sprachgewalt kann ich bei Ihr nicht nachvollziehen, sie bezeugt dadurch ihre herausragende Fähigkeit, Selbstanalysen wissentlich und arglistig zu missdeuten, ein Heißsporn mit einer drolligen Hybris.
Ich werde meinen Blog nicht schließen, dieser Elite entfliehen und Twitter meiden wie die Geschöpfe mit dem auffälligem Gebiss-Design den Knoblauch.
juergenhennekunstkritik.wordpress.com
juergen-henne-leipzig@web.de
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