Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, zeitgenössische Musik zum Pfingstfest in Rheinsberg, Rossow, Menz, Wittstock an der Dosse, Tschaikowski, Morton Feldmann und Morton Feldman, Steffen Schleiermacher, der Stechlin und ein Leben ohne Nordic Walking

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Rheinsberger Musiktage zu Pfingsten. Rheinsberger Pfingstwerkstatt Neue Musik 2009.

„Licht und Schatten“ – sprachlich und intellektuell sicher nicht gerade eine originalitätsbegnadete Ewigkeitsikone.

Diese Musiktage gibt es seit sechzig Jahren. Aktuelle Musik wurde vor achtzehn Jahren hinzugefügt. Wobei mir scheint, dass inzwischen etwas Apathie vor sich hinsumpft. Zumindest eine Nuance Desinteresse der Veranstalter gegenüber Besuchern und Musikern.
Das erste Konzert mit aktueller Musik endete nach vierzig Minuten, nicht gerade eine abendfüllende Veranstaltung. Kommentarlos, nur öde unterbrochen durch eine lächerlich blasse Preisverleihung (Berlin-Rheinsberger-Kompositionspreis 2007). Keine Ahnung, warum 2009 der Preis von 2007 verliehen wird.
Man glaubt vielleicht, die Touristen kommen ohnehin, weil hier Friedrich der Große, Fontane und Tucholsky herumgurkten. Deshalb könnte man sich hier und da eine kleine Zumutung gönnen. Glaubt man.
Bei derartigen Gefahren empfehle ich eine Kontaktaufnahme mit Steffen Schleiermacher, seit Jahren Organisator ähnlicher Veranstaltungen in Leipzig, wobei die Erwägung möglicher Weiterbildungsmaßnahmen nicht ausgeschlossen werden sollte.

Mich treibt eigentlich nur die zeitgenössische Musik seit Jahren nach Rheinsberg, Daneben werden natürlich auch Beethoven,Händel, Vivaldi, Johann Adolf Hasse, Quantz….vielleicht auch Tschaikowski angeboten.
Heftige Müdigkeitsattacken könnte ich aber dabei vielleicht nicht bannen.
Denn bei Beethovens 5.Sinfonie greife ich in meinen heimatlichen Räumen zügig zur Fernbedienung des Radios und schon herrscht eine stabile Phon-Null. Bei Tschaikowskis erstem Klavierkonzert (b-Moll) werfe ich eine Axt gegen die Lautsprecher und dessen „Capriccio Italien“ unterbinde ich durch meinen kraftvollen Wurf mit dem Kühlschrank zwischen die UKW-Wellen. Tschaikowskis sechste Sinfonie ist natürlich bemerkenswert, die Kammermusik zum Teil von höchstem Rang und „Pique Dame“ ein Opernwunder, Soweit mein Verhältnis zu Tschaikowski.

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Schloss Rheinsberg. Im Mittelalter Wasserburg. Ab 1736 bewohnt Friedrich II. diese Hütte. Zügige Veränderung u.a. durch Knobelsdorff (auch Sanssouci/Potsdam). Ab 1772 von Heinrich Prinz von Preußen besetzt, Bruder Friedrich des II. Gleichfalls Veränderungen und Erweiterungen u.a. von Langhans (auch Brandenburger Tor).

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Zwei Männer in Betrachtung des…………………………………………………….Flügels
(etwas verschwommen)
Ulli Götte und Thomas Gerwin

Doch stagnierten sie nicht bei der Betrachtung, sondern forcierten ihren Auftritt mit der Malträtierung dieser Tastenkiste, unterlegt mit Perkussion und Live-Elektronik.
Außerdem u.a. Musik von Georg Katzer, ein Stück für Solovioline (Susanne Zapf) mit elektroakustischem Zuspiel von Thomas Gerwin und mit Dauergänsehaut, eine Komposition für Kontrabass und fünf Lautsprecher von Pei-Yu Shi und eine Tanzperformance mit Iris Sputh, Perkussion und Live-Elektronik.

Aber auch Musik von Stockhausen, Xenakis, Crumb, Morton Feldman. Im gedruckten Programm läuft er unter Morton Feldmann. Nicht der Rede wert. Doch im Ensemble kleiner und größerer Zumutungen vielleicht symptomatisch.

Vor, zwischen und nach der Musik dann…….
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……..Rossow, Ostpriegnitz.Dorfkirche aus Feldstein, um 1500. Altarretabel aus Eichenholz, Anfang 14.Jh. Mittelteil unten, Kreuzigungsgruppe. Vermutlich ehemaliger Hauptaltar des Havelberger Doms, seit 1607 in Rossow, als Folge der Reformation.

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Rossow, Dorfkirche. Wandmalerei, Ausschnitt. Erstausmalung um 1520.
Biblische Szenen.

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Menz, Gemeinde Stechlin, Feldsteinkirche. Romanische Grundmauern. 1585 vollendet. Turm von 1772. Einhundert Jahre später Erweiterung um Querschiff und Apsis. Im Kirchenschatz ein ansehnlicher Abendmahlkelch von 1665.

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Wiitstock /Dosse, Ostpriegnitz/Ruppin. St.Marien. Rechter Altarflügel unten, Spätgotik. Claus Berg zugeschrieben. Dargestellt sind Philippus mit Kreuzstab, Bartholomäus mit Buchrolle und Jacobus d.J. mit Tuchwalkerstange. Außerordentlich expressiv, manierierte Drehungen, schlotternde Gewänder. Irgendwie denkt man entfernt an Veit Stoss. Man beachte die Frisur von Jacobus.

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Wittstock/Dosse. St.Marien. Madonna aus Sandstein, um 1400. Annäherung an die „Schönen Madonnen“ des „Weichen Stils“. Recht selten in nördlichen Regionen. Ob Verbindungen zu Böhmen Karls d.IV bestehen, als in Prag diese stilistischen Besonderheiten zelebriert wurden (Parler), ist noch unbewiesen.

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Weitgehend unbekannter und wundervoller See mit menschlicher Anwesenheitsaskese in der Nähe von Rheinsberg. Und ich werde mich hüten, die geografischen Koordinaten preiszugeben. Denn ich würde gern weiterhin auf die Anwesenheit affiger Nordic-Walking- Fetischisten verzichten. Gleichfalls würde ich ungern Herden getriebener Radfahrer, die mir mit ihren Lenkern die Nieren zertrümmen, eine Begrüßungshymne zujubeln.

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Stechlin bei Neuglobsow. Hinweise zur Literaturgeschichte werde ich meiden. Ich denke, dass die Leser
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önnen.

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Juni 4, 2009 Verfasst von juergenhennekunstkritik | Kunst, Leipzig, Musik, Neben Leipzig, Verstreutes | | Noch keine Kommentare