Juergen Henne Kunstkritik

2005 – die Filme: Neu gesehen – Alte Kritik, Teil IV: Jürgen Henne und Cache, Michael Moore, Michael Haneke, Daniel Auteuil, Annie Girardot

<p>Es gibt Regisseure wie Michael Moore, die durch ihre penetrante Schuldzuweisungspsychose ohne Differenzierungen und Abstufungen, aber mit pubertärer Draufklopper-Mentalität nerven. Und es öden Filme an, in denen familiäre Konflikte im emotionsduseligen Gelee versickern oder als Poesie-Alben in Hardcore-Version durch angeblich heile Welten geprügelt werden, mit Happyend-Garantie.

Außerdem gibt es noch Michael Haneke und seinen Film „Cache“ Hier wird vor dem gemeinen Filmkobold eben nicht die Leinwand mit der grob geschnitzten Politkeule moraltauglich straff gezogen, im Zusammenhang mit dem Terror gegen algerische Demonstranten, vor über fünfundvierzig Jahren in Paris.

Auch die allmählich kulminierenden Disharmonien, die Erregungen und Kränkungen im familiären Alltag zerspringen nicht in einer Volldröhnung plakativer Gefühlsexzesse. Reduziert, lakonisch, mit emotional- dokumentarischer Einsilbigkeit, mit großartig gesetzten Dialogen und wundervoll nervenden Endloseinstellungen zelebriert Haneke eine Bedrohung, die man ernst nehmen sollte. Der Durchblick in die unterschiedlichen Realitätsebenen muss vom Kinogänger hart erarbeitet werden. Zeiten und Orte zur Offenlegung politischer Entgleisungen, zur Andeutung individueller und kollektiver Schuld dosiert Haneke präzis und wirkungssicher.

Und dann wären natürlich noch die Schauspieler. Juliette Binoche spielt gut. Der Einsatz von Superlativen für die Leistung von Daniel Auteuil wäre eine angemessene Reaktion. Und Annie Girardot. Sie agiert nur kurz, im Rollstuhl, im Bett, redet etwas, bewegt die Arme. Sie mach also fast nichts. Doch dieses „Nichts“ ist große Schauspielkunst.

Entbehrlich ist die Epsode der nächtlichen Abwesenheit des Sohnes der beiden Hauptakteure und dessen Glaube an Unterleibsreibungen zwischen seiner Mutter und einem Familienfreund.

Doch diese Minuten werden verstreichen und man ist wieder von einem Film gebannt, dem Kino mit ähnlichem Anliegen qualitativ nur nachhecheln kann.

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September 19, 2008 - Verfasst von juergenhennekunstkritik | Film, Leipzig | | Noch keine Kommentare

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